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Der Kitt der Demokratie

„Was hält die Gesellschaft noch zusammen?“ Diese Frage stellt der Philosoph Otfried Höffe in einem kürzlich erschienenen gleichnamigen Buch, das Christina Janssen in einer Rezension auf der Internetseite des Deutschlandfunks vorstellt (Textbeitrag). Die Kernthese Höffes demnach: Vor dem Hintergrund der Geschichte betrachtet bröselt zwar der Mörtel, der traditionell Gesellschaften zusammenhielt – Religion, Nationalbewusstsein. Aber es seien neue Bindekräfte hinzugekommen, die dies kompensieren. „Was an Bindekraft verloren gegangen ist,“ so die Rezensentin, „wird aus seiner Sicht kompensiert – durch Vernunft, demokratische Institutionen, den Rechtsstaat, durch wachsenden Wohlstand, mehr Teilhabe und den vielleicht nicht uns alle, aber zumindest viele verbindenden kulturellen Reichtum an Sprache, Literatur, Wissenschaft, Musik oder Sport.“
Gedacht ist dies auch als Gegenthese zur Warnung des Staatsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde, dass die Demokratie ihr eigenes – durch den Wegfall von Werten bedrohtes – Fundament nicht selbst schaffen kann. Böckenförde überschätze den Bedarf an moralischem Input aus der Religion und unterschätze die Kraft der Moral, die, so die Rezensentin, „ein freiheitlicher, säkularer Staat aus sich selbst heraus generieren könne.“
Philosoph Otfried Höffe über Zusammenhalt
Bei dem verlinkten Beitrag handelt es sich um eine Vorstellung des Buches von Otfried Höffe: „Was hält die Gesellschaft noch zusammen?“, Kröner Verlag, 125 Seiten, 19,90 Euro.

Veröffentlicht in # 01-22 Demokratie Gesellschaft

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